Langzeitbelichtung – was ist das eigentlich und was steckt dahinter?

Da ich schon einige Workshops zum Thema Langzeitbelichtung gegeben habe, möchte ich heute einmal das Thema auf meinem Blog vertiefen.
Von Langzeitbelichtung spricht man, wenn die Belichtungszeit bei einem Bild mehrere Sekunden beträgt. Dies wird in der Regel bei der Nachtfotografie angewendet.
Mithilfe eines ND-Filters kann man Langzeitbelichtungen auch am Tage durchführen, um zum Beispiel Wasserfälle seidig erscheinen zu lassen.
Es ist aber auch teilweise möglich, Menschen verschwinden zu lassen. Vorausgesetzt, diese bewegen sich relativ zügig.

Mein Hauptschwerpunkt liegt in der Abbildung von Landschaften, Städten und Straßen. Man kann aber auch mit Langzeitbelichtung das sogenannte „Light Painting“ betreiben. Darauf möchte ich heute aber (noch) nicht eingehen.

Wie geht man bei einer Langzeitbelichtung vor und was benötigt man?

Eine Kamera, bei der man manuelle Einstellungen vornehmen kann, ist Pflicht. Ebenso benötigt man noch ein Stativ. Es sei denn, man sucht sich Plätze, an denen man die Kamera ablegen kann.
Außerdem ist es empfehlenswert, ein lichtstarkes Objektiv zu nutzen. Möglich sind aber natürlich auch die Kitobjektive.
Optional empfehle ich noch einen Fernauslöser. Diese gibt es für circa 5 – 10 Euro bei Amazon oder eBay. Somit muss man die Kamera nicht anfassen und produziert keine zusätzlichen Schwingungen, die das Bild unscharf werden lassen.

Wenn man die ganzen Dinge zusammen hat und der Finger juckt, sollte man unbedingt losziehen und Motive suchen.
Nehmt euch einfach die Zeit und lauft durch eure Stadt, Wohnviertel, Dorf oder wo auch immer.
Manchmal wirken Motive nicht gleich, da nur ganz wenig Restlicht auf ein Gebäude fällt. Dann nehmt einfach die Kamera + Stativ und macht unterschiedlich lange Belichtungen und schaut euch das Ergebnis an.


Das Schloss wirkte unscheinbar, ja schon fast dunkel und dünster. Zwei Straßenlaternen waren die einzigen Lichtquellen. Die Belichtungszeit von ca. 6 Minuten brachte nun dieses Ergebnis zu Tage. Im RAW-Format wurden noch ein wenig die Sättigung und der Kontrast erhöht.

Kommen wir nun zu den Einstellungen…

Wählt zuallererst den M-Modus/B-Modus (bulb) aus, damit die Einstellungen vorgenommen werden können.
Nun sollte man sich für einen ISO-Wert entscheiden. Da aber tausende Dinge im Netz umhergeistern, was von ISO 100 bis 5000 und mehr reicht, möchte ich kurz darauf eingehen.
Ihr sollte allerdings das Fotohandwerk schon ein wenig beherrschen und wissen, welche Einstellungen, welche Auswirkungen haben.
So hat zum Beispiel ein hoher ISO-Wert mehr Rauschen im Bild, deshalb ist darauf zu achten, dass man den ISO-Wert so klein wie möglich hält.
Ich empfehle ISO 100, F/5.6 bei einem Objektiv mit F/2.8 Lichtstärke.

Wenn man das Bild ganz scharf haben möchte, sollte man folgende Faustregel beachten: Das schärfste Bild erhält man, indem man das Objektiv um zwei Stufen abblendet“.

Zum Beispiel mit dem Tamron 24-70, F/2.8 ergibt sich die Blende F/5.6.
Bei einem Objektive mit F/5.6, ergibt sich die F/11.
Wenn man weiter als nötig abblendet, so ergeben sich daraus wieder Unschärfen (Bildkrümmung) und es erhöht die Belichtungszeit, was wieder ein Bildrauschen mitbringen könnte.

Solltest du aber auf der Jagd nach Blitzen sein, so empfiehlt es sich, ein wenig mehr abzublenden, damit man eine längere Belichtungszeit bekommt und dadurch die Wahrscheinlichkeit erhöht, einen Blitz auf sein Bild zu bekommen.
Aber auch hier gilt, wer die beste Bildqualität haben möchte, sollte die Blende nicht weiter als nötig schließen.

Falls du ein Objektiv mit Bildstabilisator verwendest, muss dieser unbedingt ausgeschaltet werden, da sonst das Bild unscharf wird. Ihr könnt es ja gern einmal probieren und euch selbst den Schlamassel ansehen. 😎

Nun geht ihr noch in das Kameramenü und aktviert die Spiegelvorverriegelung, diese Methode verringert die Vibrationen und klappt den Spiegel, lange bevor die eigentlich Aufnahme beginnt, hoch.

Nun haben wir ein schönes Motiv gefunden, die nötigen Einstellungen an der Kamera erledigt, das Stativ ist aufgestellt und die Kamera ist ausgerichtet.

Jetzt schalten wir noch den Autofokus am Objektiv auf manuell, dies bedeutet aber, wir müssen selbst das Objektiv scharfstellen. Da der Autofokus im Dunkeln nicht perfekt arbeitet und wir bei der Langzeitbelichtung eh ein wenig Ruhe und Zeit mitbringen müssen, ist das dank des Liveview-Modus kein Problem.
Durch das zweimalige Drücken der Lupentaste (Zoomtaste) kann man das Objekt in 10-facher Vergrößerung nun problemlos manuell fokussieren. Dabei kann man sich einen Bildausschnitt aussuchen, auf dem man am besten fokussieren kann.
Diese Methode ist in jedem Fall genauer als der Autofokus und auch einfacher, als dies durch den Sucher zu bewerkstelligen.

Jetzt einfach mit der Fernbedienung auslösen. In diesem Zusammenhang solltet ihr darauf achten, dass ihr vorher in eurer Kamera die Funktion aktiviert habt.
Es kommt ganz auf die Lichtsituation an, wie lange die Belichtungszeit sein muss. Daher empfehle ich einfach ca. 20 Sekunden zu belichten, um festzustellen, ob die Zeit verringert oder verlängert werden muss.
Nach einer Weile habt ihr dann aber einen guten Blick dafür und könnt es relativ gut einschätzen.

Auch in der Langzeitbelichtung kann man HDR-Bilder erstellen. Dies hilft, wenn zum Beispiel eine starke Lichtquelle mit im Spiel  und der Rest des Bildes aber ziemlich dunkel ist. So kann man in Photoshop wunderbar die dunklen Stellen etwas heller gestalten, ohne das Gesamtbild zu verändern – das ist aber wieder ein anderes Thema :mrgreen:

Ich hoffe, ich habe keine wichtigen Punkte vergessen und wünsche euch viel Spaß beim Ausprobieren und Experimentieren. 😉

One Response so far.

  1. […] aber sicher die “Blaue Stunde”.Speziell für “Available-Light” und die Langzeitbelichtungs-Enthusiasten die perfekte Zeit für Fotos. Die Lichtmischung, die abgemilderten Kontraste, das […]

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